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ALLTAG NACH DARMKREBS – WIE ICH SCHRITT FÜR SCHRITT MEINE ROUTINEN NEU AUFGEBAUT HABE

Es gibt diesen Moment nach der Darmkrebs-Behandlung, in dem alles wieder „normal" sein sollte. Die Bestrahlung ist vorbei, die OP überstanden. Das Stoma zurückverlegt. Die Nachsorgetermine werden weniger. Von außen sieht es so aus, als würdest du einfach wieder zurückkehren. Aber innen fühlt es sich anders an. Unsortiert. Langsamer. Unsicher. Ich kenne dieses Gefühl – ich habe es selbst erlebt.  Damals habe ich angefangen, jeden Abend drei Sätze aufzuschreiben – was heute okay war, was schwer war, was ich morgen schaffe.  Dieses Tagebuch  liegt seitdem auf meinem Nachttisch. Nicht als Aufgabe. Sondern als kleiner Anker.  Und genau deshalb schreibe ich heute darüber. Nicht über die Krankheit selbst. Sondern über das, worüber kaum jemand spricht: den Weg zurück in den Alltag nach Darmkrebs. Den Anker der uns hilft. Warum Routinen nach Darmkrebs so schwer sind Nach einer Darmkrebs-Erkrankung bist du nicht einfach die Person von vorher. Dein Körper hat Grenzen kenn...

Der Moment, wenn du neben deiner Tochter im Spiegel stehst

Schatten von zwei Frauen am Strand mit Blick aufs Meer - Moment der Nachdenklichkeit in der lebensmitt

Meine Tochter steht neben mir vor dem Spiegel.

Sie mustert sich kritisch im Spiegel und fragt: „Okay?“

Ich schaue sie an.

Und denke: Wie schön sie ist!

Wie könnte sie nicht "okay" sein? Nicht geschniegelt. Nicht perfekt. Sondern jung und lebendig.

Ihre Haut ist glatt, ihre Augen wach, ihre Bewegungen selbstverständlich.

Alles an ihr sagt: Anfang.

Und ich stehe daneben. Und bin kein Anfang mehr. Ich bin Mitte.


Manchmal blitzt es kurz auf.

Dieses kleine Gefühl von: „Ach ja, so war das.“

Diese Straffheit. Dieses Nicht-Nachdenken über Licht, Schlaf oder Hormone.

Diese Selbstverständlichkeit im eigenen Körper.

Die Krebsbehandlung hat bei mir einiges beschleunigt.
Therapie, Medikamente, Hormonumstellung – mein Körper ist schneller durch Phasen gegangen, für die andere Jahre haben.

Ich habe mich im Spiegel angeschaut und gedacht:

Wow. Das ging jetzt aber schnell.


Wenn ich neben meiner Tochter stehe, spüre ich keinen Wettbewerb. 

Ich spüre Verbindung.

Ich sehe in ihr nicht, was ich verloren habe.

Ich sehe, was ich weitergegeben habe.

Meine Hände in ihren Gesten.
Mein Blick in ihren Augen.
Meine Art zu lachen und durch die Haare zu streichen,

Sie blüht – und ich darf daneben stehen und zuschauen.

Das ist kein Verlust.

Das ist ein Privileg.


Natürlich wäre es gelogen zu sagen, ich vermisse nichts.

Natürlich denke ich ab und zu:

Ein bisschen mehr Spannkraft hätte ich gern behalten. Ein bisschen weniger Müdigkeit. Ein bisschen mehr Energie auf Knopfdruck.

Aber dann sehe ich sie neben mir – und weiß:

Ihre Leichtigkeit gehört ihr. Das ist das Privileg der Jugend.

Meine Reife gehört mir.

Und beides ist auf seine Art schön.


Mit 30 war Attraktivität Tempo. Mit 50 ist sie Haltung.

Ich bin nicht mehr die Jüngere.

Aber immerhin bin ich die, die geblieben ist. Die, die durch eine schwere Krankheit gegangen ist und trotzdem noch aufrecht steht.

Meine Haut ist empfindlicher geworden.
Meine Hormone sind durcheinandergewirbelt worden und auch meine Gefühle. 
Ich bin viel schneller gereift, als ich es geplant hatte. 

So what? Ich bin noch da.


Manchmal stehen wir wirklich nebeneinander vor dem Spiegel.

Sie rückt näher an mich heran, legt kurz ihren Kopf an meine Schulter und sagt irgendetwas Belangloses.

Und in diesem Moment sehe ich uns beide.

Sie am Anfang.
Ich in der Mitte.

Und plötzlich fühlt sich nichts falsch an. Und vor allem nicht nach Konkurrenz. 

Ich sehe meine Linien.
Und ich sehe ihr Leuchten.

Und ich weiß: Beides gehört zusammen.

Ich bin vielleicht nicht mehr die Jüngste und Straffeste im Raum.

Aber ich bin die Mutter dieses leuchtenden Mädchens.

Und ganz ehrlich – das ist eine Form von Schönheit und ein Glück, die ich mit keiner glatten Haut der Welt tauschen würde

💛


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